Sonntag, 21. Mai 2017

Afghans on the Balkan Route: From transit to trauma


Here is a report from my recent trip to Serbia and the Balkans (in German, but with many audios in English and Persian/Pashtu): after the ever more autotharian regime of Hungarian border forces tighten their grip on migrants from neighboring Serbia, many thousand young and growingly desperate persons are left traumatized, alone or with their families on the other side. While Serbia was for a long time considered a transit country - and the Belgrade authorities still stick to this narrative - reality shows that most of the 8.000 or more refugees currently living in Serbia will have to face a reality of staying and necessary integration in a country they do not wish to stay. The full report with audios and photography can be found here.

Mittwoch, 1. März 2017

Asylum & Deportation / Berlin debate Feb 3rd Asyl und Abschiebung / Debatte Berlin 3.Februar


After the tird plane with deported Afghans has left Germany for Kabul last week, the debate on Afghan asylum seekers in Germany becomes heated. No surprise, we are approaching elections in Germany, with populist parties like the AfD very likely to make their entry into the national parliament, the Bundestag. The Green party is holding a series of panels with decision makers and specialists this Friday in Berlin (here). One of the main questions will be, how to get more accurate or purely better reporting on the security situation in Afghanistan that will, if acknowledged by the political class, be equally taken up by German legal authorities. In the absence of deciding on the basis on a recently requested UNHCR report on the Afghan security situation, the German foreign office prefers to trusts its own reports, claiming that parts of Afghanistan are 'secure enough' to have the deported resettle there. The conditions and criteria of who is driven out and put on the planes is another conflictual issue. So far, the percentage of criminals among the deported seems to be much smaller than claimed by the German authorities. My modest role in this debate will be try and introduce some elementary facts rather than dig deeper in a debate of heated emotions (here).

Freitag, 17. Februar 2017

Vom Ende der Willkommenskultur


14. Februar 2017 Den 9. Februar 2017 wird man sich merken müssen. Womöglich geht er später einmal als der Tag in die Geschichte ein, an dem die deutsche Willkommenskultur, wie wir sie bisher kannten, geendet hat. Nicht weil Hunderttausende engagierter Freiwilliger und Ehrenamtlicher ihre Hilfe und Arbeit für Flüchtlinge einstellen. Vielmehr ist Angela Merkel selbst mit ihrer Partei dabei, das Ruder herumzureissen. Die Chance auf eine vierte Kanzlerschaft erscheint als hinreichender Grund dafür. Aber auch sozialdemokratisch und grün mitregierte Länder drängt es offenbar, Handlungsfähigkeit zu beweisen angesichts des sich ausbreitenden Populismus neuer Bewegungen. Die Beschlüsse, die Merkel den Ministerpräsidenten/innen der Bundesländer abgerungen hat (siehe hier) sind der klarste und vielleicht kühlste weil berechnete Bruch mit der bis dato propagierten Zuversicht einer Gesellschaft, deren Offenheit zunehmend in Selbstzweifel und Mißtrauen umschlägt. 
Die Vereinbarungen zwischen Berlin und den Länderchefs sind ohne die Anschläge von München, Würzburg, Freiburg und den Fall Anis Amri natürlich nicht denkbar. Angesichts einer zunehmend verunsicherten Gesellschaft soll jetzt ein Bündel von Maßnahmen, das sich vor allem an die Rechtlosen unter uns richtet, den Glauben an die Politik und eine ordnende Hand wieder festigen. Ist dieses Bündel auch mit dem Rechtsstaat vereinbar? Abschiebungen sind in Deutschland Ländersache. Das jüngste Treffen erweckt den Eindruck, der Bund wolle nun ein Teil der Kompetenzen an sich ziehen. Die abweichenden Voten einiger Länder zeugen von der Sorge, dass und wie schnell Rechtsräume demnächst eingeschränkt werden könnten im Auftrag dieser ordnenden Hand. Wenn aber vermeintliche Gefahrenabwehr auf Kosten der freiheitlichen Grundordnung geht, ist ein point of no return erreicht. So hat z.B. Schleswig-Holstein diese Woche einen vorrübergehenden Abschiebestop für ausreisepflichtige Afghanen verhängt, mit der Begründung die unklare Sicherheit am Hindukusch gewährleiste zur Zeit nicht die Einhaltung völkerrechtlicher Standards, die mit der Rückführung der Abgeschobenen einhergehen müsse. Bemerkenswert erscheint, dass mit keinem Wort in dem zwölf-seitigen Papier Merkels mit den Länderchefs von Integration als politischem Ziel für Deutsche und Flüchtlinge die Rede. Die Abmachung suggeriert vielmehr ein Szenario der potenziellen Bedrohung, das von Asylbewerbern, Ausreisepflichtigen und Geduldeten ausgeht. Selbst Flüchtlinge, die über eine freiwillige Rückkehr in ihre Heimat nachdenken, dürften von den neuen Ankündigungen bis ins Mark erschüttert sein. 
Künftig soll etwa Abschiebehaft ohne Anordnung eines Richters auf bis zu zehn Tage ausgeweitet werden. Ein rechtlich höchst umstrittener Schritt. Bei der Einrichtung zentraler, vermutlich flughafennaher Rückkehrzentren unter Bundesaufsicht sollen die Bundesländer Listen mit zur Abschiebung bereitstehenden Ausreisepflichtiger zuliefern, wenn man das Beamtendeutsch auf seinen Kern herunterbricht. Das BAMF, als Behörde die das Asylrechtsverfahren als individuelles Recht zu prüfen hat, soll künftig Handys und SIM-Karten von Antragstellern auswerten können und bekäme damit polizeiähnliche Rechte. Auch wer schon länger in Deutschland geduldet ist, seinen Lebensmittelpunkt hier hat und Steuern zahlt, muss künftig fürchten, ohne Ankündigung abgeschoben zu werden. Begründet werden diese Maßnahmen unter anderem mit dem Risiko möglicher „Gefährder“ unter den Ausreisepflichigen (Baden-Württemberg fordert hier Klärung, wie genau der Begriff „Gefährder“ definiert ist. Das macht Sinn, zumal er bisher vor allem in der aufgeladenen Debatte um Islam, Religion und Ausländer eine Rolle spielt ; militante Reichsbürger dagegen oder Täter von Brandanschlägen auf Asylbewerberheime werden, warum auch immer, nicht mit dem Attribut in Verbindung gebracht). Dass der Staat erheblichen Gefahren gegenübersteht, kann vor dem Hintergrund der bekannten Ereignisse niemand abstreiten. Auch nicht, dass es erforderlicher Abwehrmaßnahmen bedarf, im Notfall präventiv. Dürfen aber Verfassungsgrundsätze, Asylrecht und Verhältnismäßigkeit dabei über Bord geworfen werden? Die Einsprüche von Thüringen und Baden-Württemberg im Annex der Beschlüsse lassen erahnen, dass – wenn nicht die Politik, so deutsche Gerichte – sich sehr bald mit der Rechtmäßigkeit der Beschlüsse beschäftigen werden, falls diese zur Umsetzung gelangen. Das Unerhörte wie auch Bedrückende an dem Beschluss-Papier ist, dass es so tut, als habe es spätestens seit 2015 keine aktive, erfolgreiche deutsche Zivilgesellschaft gegeben, die nach wie vor Vieles von dem auffängt und erledigt, was übervorsichtige, verunsicherte und zunehmend in Abwehr-Stellung verharrende Behörden nicht zuwege bringen. Das beginnt bei der Suche von Wohnraum für Menschen, die ein Jahr lang in Turnhallen als Notunterkünften ausharren müssen, ohne Privatsphäre und menschenwürdige Trennwände. Das betrifft Deutsch- und Integrationskurse, auf die Afghanen keinen rechtlichen Anspruch haben, zu denen ihnen viele dennoch verhelfen. Denn Helfer wie Ehrenamtliche wissen: Nichtstun wird schnell zur Belastung – für die Betroffenen selbst, aber auch für die Gesellschaft als Ganzes. Dringend geboten erscheint hier etwa, die soziale Betreuung unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge auszubauen statt Terror-Experten und Polizei auf sie anzusetzen. Nicht ganz zu Unrecht wähnen Kritiker, dass sich Behörden zur Abschiebung vor allem junge Alleinstehende vornehmen könnten in Zukunft, weil diese sozial wie psychisch besonders verwundbar sind. Man muss kein Freund von Abschiebe-Stopps sein, um zu erkennen, dass diese Beschlüsse das deutsche Asylrecht weiter aushöhlen werden. Ja sie könnten den Garantiegehalt dieses Grundrechts nachhaltig beschädigen. Der Blick in Geschichte, Theorie und Praxis der deutschen Migrationspolitik zeigt jedenfalls, dass wir es mit einer jahrzehntelangen Erosion in dieser Frage zu tun haben, weg von dem, was die Väter des Grundgesetzes einmal zur Maxime hatten, übrigens schon vor der grossen Reform des Asylrechts von 1992/93. (Zur Lektüre empfohlen sei hier u.a. die ‚Blackbox Abschiebung’/Edition Suhrkamp). Soziologisch gesehen erscheint es halbwegs verwegen, mit einem Kanon aus staatlichen Verschärfungen lösen zu wollen, was faktisch eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe ist und bleibt. Stutzig macht im Text u.a ein Vokabular der Exklusion statt der Inklusion, das den Geist Mc Kinseyscher Beratungsmanagments atmet. Statt Maßnahmen zur Flüchtlings-, Asyl- und Integration in der Hand des Staates weiter zu zentralisieren wäre vielmehr der Versuch lohnenswert, gemachte Erfahrungen auf lokaler wie regionaler Ebene systematisch auszutauschen. Denn Verfahrens- und Vertrauens-Stau bedingen sich, wie Gespräche mit Ehrenamtlichen und Behörden immer wieder bestätigen. Wer die Flüchtlings- und Asylfragen als das Generationenproblem versteht, das sie sind, der sollte auch nicht müde werden, Politik wie Kanzlerin an ihre eigenen Worte zu erinnern: „Deutsche Gründlichkeit ist super, aber jetzt ist deutsche Flexibilität gefragt.“ Der aktuelle Druck auf die Politik rührt fraglos von den Rändern der Gesellschaft her. Deren Wähler setzen die etablierten Parteien unter den Zwang einer bürgernahen Politik. Nicht ganz zu Unrecht. Dies darf allerdings nicht dazu führen, einen zunehmend medienfähigen Populismus allein mit Werkzeugen aus der Kiste des sanktionierenden Staates zu begegnen. Wer so denkt fördert womöglich einen Ethno-Nationalismus, der sich zunehmend in Europa wie den USA breit macht. 
Sind es – um einmal die deutsche Debatte im globalen Kontext anzusiedeln – mehr als imaginäre Linien, die hier zwischen europäischer Asylpolitik und dem jüngsten Einreiseverbot Donald Trumps für die USA verlaufen? In der Debatte um nach Afrika zu verlagernde Zentren zur Registrierung (und Abweisung) von Flüchtlingen in Libyen und den nordafrikanischen Ländern steht jedenfalls der Gedanke der Festung Europa im Vordergrund, die ihre Zähne zeigt. Maßgebende Wortführer in der EU haben bisher alle kritischen Einwände, die sich hierzu aus der Genfer Flüchtlingskonvention und Erfahrungen mit Staaten wie Libyen ergeben, vom Tisch zu wischen vermocht. Helfer der Willkommenskultur und ihre Anwälte, deutsche Gerichte und Sachverständige werden sich deshalb neu orientieren müssen ab jetzt (s. hier; hier), falls sie nicht erleben wollen, was betroffene Pflegeeltern zuletzt passiert ist: die Flüchtlinge, die sie betreuen, hat man ohne Vorankündigung nach Afghanistan abgeschoben. Einer der frisch Abgeschobenen ist wenige Tage nach Ankunft bei einem Anschlag in Kabul verletzt worden. Bei dem Anschlag kamen 21 Menschen ums Leben. (hier) Ob sich daraus ein Anspruch auf Rückführung nach Deutschland ableiten lässt? Solche Fragen werden Behörden und Anwaltskammern in Zukunft absehbar beschäftigen. Die Flüge mit Abschiebungen nach Afghanistan, seit Dezember letzten Jahres ein Flug pro Monat, haben besagten Politikwechsel schon vor monatsfrist angekündigt. Erkenntnisse über Einzelschicksale der Abgeschobenen nach Rückkehr in Afghanistan legen die Vermutung nah, dass es auf deutscher Seite an klaren, ausreichenden Kriterien für die Abschiebungen fehlt. Die wenigsten sind offenbar Schwerkriminelle, wie das Vokabular gegenüber der Öffentlichkeit suggeriert. Vielmehr scheinen Schwarzfahrer wie Kleindelinquenten darunter zu sein. Andere gehören der Minderheit der Hindus an, die schon längere Zeit in Afghanistan stigmatisiert ist und die unter den Taliban sogar mit farbigen Stoffmarkierungen als Minderheit gebrandmarkt wurde. Um jeden Abgeschobenen kümmern sich auf dem Flug bis zu drei Sicherheitsbeamte. Jeder Flug verursacht Kosten von rund 300.000 Euro. Verhältnismäßig? Neben Organisationen wie Pro Asyl (hier) haben sich mehrere Bundesverfassungsrichter kritisch geäußert über die dünne Grundlage, auf deren Basis man betroffene Afghanen zurück in ihre Heimat befördert hat. Das Problem ist vielfach ein Wettlauf mit der Zeit. Um alle Instanzen zum höchsten Gericht auszuschöpfen, müssen die Betroffenen zeitig erfahren, dass ihrem Mandant die Abschiebung droht. Fristen zur Unterrichtung, wie sie in die deutsch-afghanische Rückführungs-Erklärung enthält, scheinen nicht durchweg eingehalten worden zu sein. Für viele der Abgeschobenen, so ist zu hören, endet in Kabul nach zwei Wochen der häusliche Schutz durch afghanische Behörden. Wer nach Jalalabad oder Herat weiterreist, ist dort nicht sicher, nach Kriterien des jüngsten UN-Berichts, den die Bundesregierung angefordert hat. Dabei muss man gar nicht automatisch das Szenario der Gefahr durch die Taliban bemühen, um klarzumachen, das vielfältige Gefahren im Alltag drohen. In Herat, der zweitgrössten Stadt des Landes etwa, sind Entführungen, die immer wieder tödlich enden, seit Jahren ein lukratives Geschäft. Ins Zielfeld können Afghanen mit oder ohne Kinder geraten sobald sie Ärmeren als reich oder neureich gelten. Als reich gilt oft, wer aus Europa zurück kommt und es dort ausgehalten hat. Unverkennbar trägt Deutschland aufgrund von 16 Jahren militärischer Präsenz und zivilem Aufbau in Afghanistan eine Mitverantwortung für die (Sicherheits)Lage wie sie sich aktuell am Hindukusch präsentiert. Das zu leugnen grenzte an eine Verdrehung der Tataschen. Hätten die Geberländer mit dem ISAF-Militär zu Zeiten eine robuste afghanische Armee aufgebaut, es gäbe viele der Probleme heute wohl nicht. Ähnlich verhält es sich mit der desolaten wirtschaftlichen Lage, in die das Land nach dem Abzug des ISAF-Militärs und vieler Hilfsorganisationen gestürzt ist. Der Sturz war absehbar. Auch hier sind Deutschland und die Geberländern aufgerufen, nachhaltige Wirtschaftskonzepte mit der afghansichen Seite einzulösen, um die ausgelösten Abwanderungsbewegungen zu stoppen. Immer wieder erneuerte Millionen-Gelder sind kein Garant dafür. Vielmehr nachhaltige und langfristige Konzepte, die hiesige wie dortige Erfahrungen kultursensibel und pragmatisch zusammenbringen. Sehr wahrscheinlich werden v.a. junge Menschen in grösserer Zahl ihr Land gleichwohl verlassen. Die Zahlen werden hoch bleiben, wenn auch deutlich schwankend, aufgrund der Nachrichten von der Balkan-Route, dem Sterben im Mittelmeer etc., die sich nicht nur in Afghanistan herumgesprochen haben. Maßgebend ist, die Ursachen für soziale und gesellschaftliche Ungleichheit anzugehen und die endemische Korruption in den Griff zu bekommen. Was lernen wir aus all dem? Willkommenskultur ist an Werte, Überzeugungen und eine Grundhaltung gebunden. Eine dazugehörige Kultur will erarbeitet und gelebt sein. Sie wächst nicht aus einer (medial bestärkten) subjektiven Überzeugung das Richtige zu tun, wie das zunehmend kritische Echo älterer wie neu migrierter Mitbürger und Intellektueller in unseren Feuilletons zeigen. Der Aufruf des neuen Bundespräsidenten gemeinsam „mutig zu sein“ 
kann in diesem Kontext nur Wirkung entfalten, wenn es eine Debatte jenseits von Rechtsverschärfungen gibt. Jeder Schritt, der sich davon entfernt, kommt der Absage an eine Gesellschaft gleich, die sich eine wie auch immer geartete Verbesserung der Situation im Dialog zutraut. Besonders gefordert sind hier auch die Medien, die sich in Wort- und Themenwahl unbedingt hinterfragen müssen. Fast täglich wachen wir mittlerweile auf mit Schreckensmeldungen über vermeintliche ‚Gefährder‘, Razzien gegen mutmaßliche Salafisten oder minderjährige IS-Sympathisanten, von denen viele aus der Mitte dieser Gesellschaft stammen. Viel zu selten wachen wir dagegen auf mit Beispielen praktizierter Integration und kritischer Reflexion über unser Fremd- und Selbstbild im Frühstücksfernsehen, oder von erfolgreicher Konfliktlösung unter neuen wie alten Mitbürgern im. Mit der nötigen Ausgewogenheit wäre hier schon viel geholfen. (Foto/Düsseldrofer Demonstration gegen Abschiebungen nach Afghanistan, 11.2.17 / Q: Ehsan Hadid, Forum Afghanischer Migranten Köln)

Montag, 23. Januar 2017

The Pain of others: Kabul - Aleppo - Mossul


English (for German version see below). There are sentences, in conversation with refugees and migrants, which one would like to consider twice: „Our war in Afghanistan is more intense than the war in Syria“, is such a sentence. I hear it from young Afghans I have to deal with. One is tempted to deny the sentence, looking at the focus in our media on Aleppo, the most recent symbol of the Syrian catastrophe. But Afghanistan, also, has doubtlessly seen its ‚Aleppo‘. The dimension of the destruction of Kabul in the years 1992-94 may be reminiscent of what elder viewers may remember as very scarce television footage. 
What young Afghans really want to express with the sentence is: ‚We are second class as compared to Syrians in the race for integration in Germany. They prefer them to us.‘ There is some truth to this, without doubt. Afghans in Germany have no automatic access to integration and language courses supporting their integration. This has consequences for their housing and health care, for the social and psycho-social care they get. It may have to do with these facts that in recent months 25 mainly young Afghans have comitted suicide. And that this news was spoken out in public by an Afghan ambassador, otherwise diplomatically silent on comparable issues.(here) Let us therefore look again at the sentence: „Our war in Afghanistan is more intense than the war in Syria“. The war in the Hindukush may indeed be less visible, less intense these days. But it has been going on for much longer. 30 years of war have numerous consequences on the psyche of the people, on the infrastructure of a country and on the functioning of its institutions. Unquestionably in this, Afghanistan is in a deeper state of depression than present-day Syria. One can easily notice this encounters with the people in Afghanistan, if one listens long enough to them.

The image in the German public opinion on Aleppo, Kabul and Mosul, the last IS-stronghold in Iraq, is determined by the daily news, more than by the political agenda itself. Politicians need to constantly squeeze there messagees through the filter of new agencies and social media. The result is: Afghanistan is no longer sexy. Please forgive me this casual expression. It is Syria that is sexy now. 
Mosul, actually, should be equally sexy from a media driven standpoint. But it isn’t. And this despite the fact that its civil population is suffering a struggle that is certainly not less tragic in confronting ISIS than Al Assad or the armed opposition in Aleppo. In the words of Susan Sontag: the pain of the others just cannot be viewed in Mosul at the moment. Photo agencies, internet and Tv are not broadcasting it in our homes, which is remarkable seen the attention the IS has absorbed in the media for years now. The IS itself has obviously little interest in inviting foreign authors and photographers to its sphere of influence. On the side of the international anti-IS coalition, the Iraqi army for its part is very restrictive with regard to foreign media coverage on the battle for Mosul. Protests from international correspondents, normally given a fair echo in Western news agencies, have not resonated substantially so far. In terms of the political symbolism surrounding ISIS though, there is hardly a place as important as Mosul these days. But no pictures signify no war, in the words of Susan Sontag. To escape any discussion on fake news; The most recent bulletin of the United Nations on Mosul states: „The reports from inside western Mosul are distressing. Humanitarian partners are unable to access these areas but all the evidence points to a sharply deteriorating situation. The prices of basic food and supplies are soaring. Water and electricity are intermittent in neighbourhoods and many families without income are eating only once a day. Others are being forced to burn furniture to stay warm. (…) „We don’t know what will happen in western Mosul but we cannot rule out the possibility of siege-like conditions or a mass exodus. To date, nearly half of all the casualties from Mosul are civilians. It’s terrifying to think of the risks families are facing. They can be killed by booby-traps and in cross-fire and could be used as human shields.“ (…) „The world’s attention is fixed on the military campaign in Iraq. But once this is over, there will still be a humanitarian crisis. As many as three million Iraqis, maybe even four million depending on what happens in Mosul, Hawiga and Tel Afar may be displaced from their homes as a result of the conflict. These families will need to make crucial choices about how to rebuild and re-establish their lives. And we will need to be here to help them. We hope and trust that the international community will not walk away after Mosul. It would be a mistake — a very big one — if this were to happen. “ We are talking about an estimated 500,00-750,000 civilians in Mosul, who are confronted with the immediate break out of the battle in the center of Mosul. And wether the Iraqi military prefers its timetable (victory over the IS by the end of march) to a move forward coordinated under the necessary humanitarian logics remains still to be seen.

Afghanistan meanwhile is home to as many refugees and internally displaced people like never before in the past years. From Pakistan, more than 600,000 people have crossed the border, mostly forced to. Others have followed calls from the government in Kabul that seem to have a political background. Also, several hundred thousands returnees have been coming in from Iran. (here). To this comes an even higher number of internally displaced people, escaping fighting in a considerable number of provinces. To this come gang-orchestrated violence, abductions and a reality of general impunity. In the face of these facts, the few hundred Afghans forcibly returned from Germany or out of free will, are a small number. But their deportations, for good reasons, continue to makes the headlines. The German government is trying to implement its recent agreement with Kabul, not more than a declaration of intent. In the meantime, different provincial governments have opposed Germany's minister of interior and suggest to suspended deportations to Afghanistan for at least three months. There analysis is based on sources from the United Nations in Afghanistan. Accordingly to its mission, a forced return is not responsible. If the document would prevail nevertheless, it might be because two unequal protagonists are sitting at the table, with Kabul being pressured in the face of foreign aid it remains dependent on. On the other hand, let us not be mistaken about how fragile Afghanistan has become in recent years, always said to be close to the abyss. Why is it that so? What is our share in this? Why have so many expensive programs on good governance been so ineffective in outcome? An open debate on this would bring us closer to an honest assessment of aid policies on the international intervention in Afghanistan (the final goal of which still remains unclear). In carrying out this assessment, we would be likely to approach a fairer deal also with regard to the refugees and migrants who have come to Europe. ------- Photo: Mosul refugees, Hassan Sham Camp, Iraq (M.G.) -------- ------------- German version ---------------------------------------------------- Es gibt Sätze, im Gespräch mit Flüchtlingen und Migranten, die man zweimal bedenken möchte: 
„Der Krieg bei uns in Afghanistan ist intensiver als der in Syrien zur Zeit“ – ist so ein Satz. Ich höre ihn von jungen Afghanen, mit denen ich zu tun habe. Man ist zunächst versucht, dies zu bestreiten, angesichts des Fokus auf Aleppo in unseren Medien. 
Dabei hat Afghanistan zweifelsfrei sein ‚Aleppo‘ gehabt. Die Dimension der Zerstörung Kabuls in den Jahren 1992-94 mag Älteren über damals noch sehr spärliches Fernseh-Material in Erinnerung sein.
 Was junge Afghanen heute ausdrücken wollen mit diesen Worten ist: ‚Wir haben das Nachsehen gegenüber jungen Syrern bei der Integration in Deutschland. Sie werden bevorzugt.‘ 
Das stimmt ohne Frage. Afghanen gehören nicht in die Gruppe jener Bürger, die als erste und zuvorderst Zugang zu Integrations- und Sprachkursen geniessen. Das hat Folgen bei der Wohnungssuche und der Gesundheitsversorgung, bei sozialer und psycho-sozialer Betreuung. 
Man mag erschrecken ob der Zahl von jüngst 25 Selbstmorden überwiegend junger Afghanen, und der Tatsache, dass ausgerechnet ein afghanischer Botschafter, sonst amtsgemäß verschwiegen, damit an die Öffentlichkeit geht. (hier) Vielleicht nimmt man sich an der Stelle den Satz noch einmal vor „Der Krieg bei uns in Afghanistan ist intensiver als der in Syrien zur Zeit“. Aktuell mag der Krieg am Hindukusch weniger sichtbar sein, weniger intensiv. Er dauert indes weit länger. Und auch das meint die Aussage. Denn die Folgen von über 30 Jahren Krieg auf die Verfasstheit und Psyche der Menschen, auf die Infrastruktur eines Landes und das Funktionieren seiner Institutionen sind in toto gesehen dann fraglos wohl tiefgehender als im heutigen Syrien. Man kann dies übrigens auch an der Begegnung mit den Menschen spüren, wenn man ihnen lang genug zuhört. Das Bild in der deutschen Öffentlichkeit über Aleppo, Kabul und Mossul, der letzten IS-Hochburg im Irak, wird durch tagesaktuelle Medien bestimmt, mehr noch als durch Politik primär, die sich immerzu durch den Filter von Agenturen, Nachrichten und social media hindurchzwängen muss. Afghanistan ist dabei nicht mehr sexy. Man verzeihe mir die Ausdrucksweise. Nun ist Syrien sexy. Auch weil es Bild-Angebote von dort gibt, die über internationale Agenturen zu uns kommen trotz allem. Bilder, die gelesen, interpretiert und von in ihrer oft missbräuchlichen Absicht entkleidet werden müssen. Insofern steht etwa Mossul weitgehend Teil im medialen Schatten der Weltöffentlichkeit derzeit. Und dies, obwohl seine Zivilbevölkerung einen sicher nicht weniger tragischen Kampf in der letzten IS-Hochburg im Irak erleidet. Anders als in Aleppo. Weil hier zur Zeit – nach Susan Sontag – sich das Leid der Anderen eben gerade aktuell nicht betrachten lässt. Foto, Internet und Fernsehen liefern diesen Konflikt gegen den IS nicht zu unseren Hausantennen und -netzen, was angesichts der medialen wie politischen Aufmerksamkeit, die das Thema seit Jahren absorbiert, bemerkenswert ist. Zum Einen hat der IS offenbar wenig Interesse, Bilder fremder Autoren aus seinem Einflussgebiet zu verbreiten. Auf Seiten der Anti-IS-Koalition verfährt die irakische Armee umgekehrt recht restriktiv gegenüber ausländischen Medien und ihrem Bild-Angebot vom Kampf um Mossul. Gemessen an der politischen Symbolik um das Thema IS gibt es allerdings kaum einen Ort, der wichtiger erscheint als Mossul dieser Tage. No pictures bedeutet hier ein ums andere Mal no news. Ablesen lässt sich das unter anderem an neueste Bulletin der Vereinten Nationen im Irak von heute. Es heisst dort u.a.: „The reports from inside western Mosul are distressing. Humanitarian partners are unable to access these areas but all the evidence points to a sharply deteriorating situation. The prices of basic food and supplies are soaring. Water and electricity are intermittent in neighbourhoods and many families without income are eating only once a day. Others are being forced to burn furniture to stay warm. (…) „We don’t know what will happen in western Mosul but we cannot rule out the possibility of siege-like conditions or a mass exodus. To date, nearly half of all the casualties from Mosul are civilians. It’s terrifying to think of the risks families are facing. They can be killed by booby-traps and in cross-fire and could be used as human shields.“ (…) „The world’s attention is fixed on the military campaign in Iraq. But once this is over, there will still be a humanitarian crisis. As many as three million Iraqis, maybe even four million depending on what happens in Mosul, Hawiga and Tel Afar may be displaced from their homes as a result of the conflict. These families will need to make crucial choices about how to rebuild and re-establish their lives. And we will need to be here to help them. We hope and trust that the international community will not walk away after Mosul. It would be a mistake — a very big one — if this were to happen. “ Wir reden von geschätzten 750.000 Zivilisten in Mossul, die gegenwärtig im Westen der Stadt im Zentrum ausharren. Der Kampf dort könnte unmittelbar ausbrechen, wenn das irakische Militär seine Zeitplanung (Sieg über den IS bis Ende März) einem mit diplomatischen und humanitären Organisationen soweit als möglich abgestimmten Vorgehen vorzieht. Afghanistan beherbergt – aud das man vergisst dies leicht – zur Zeit so viele Flüchtlinge und Binnenflüchtlinge wie kaum ein Land in der Region. Aus Pakistan sind über 600.000 Menschen zurück über die Grenze gekommen, überwiegend unfreiwillig. Ein anderer Teil ist politischen Eingebungen aus Kabul gefolgt. Mehrere Hunderttausend Rückkehrer aus dem Iran kommen hinzu (hier). Hunderttausende Binnenflüchtlinge, weil in vielen Provinzen gekämpft, ungestraft getötet oder entführt wird. Dagegen verblassen die wenigen Hundert afghanischer Rückkehrer aus Deutschland, auch hier Freiwillige wie Unfreiwillige. Die forcierte Zahl ihrer Abschiebungen macht monatlich Schlagzeilen. Die Bundesregierung versucht nun, das jüngste Abkommen mit Kabul zur Rückführung umzusetzen. Es steht auf dünnem Fundament, weil das Abkommen tatsächlich nicht mehr als eine Absichtserklärung ist, eine declaration of intent. Einige Bundesländer haben sich inzwischen gegen den Bundesinnenminister und dafür ausgesprochen, Abschiebungen um mindestens drei Monate auszusetzen und berufen sich auf eine Analyse der Gefahrenlage durch die Vereinten Nationen. Demnach sei eine Rückführung nicht zu verantworten. Wenn das Abkommen dennoch halten sollte, dann womöglich, weil hier zwei Nicht-Gleichberechtigte am Tisch sitzen und sich immer noch Druck auf Kabul ausüben lässt angesichts der Hilfsgelder, die Organisationen und Behörden am Hindukusch Leben einhauchen. Umgekehrt täusche sich keiner über die politische Fragilität eines Landes, dem seit Jahren prognostiziert wird, dass es am Abgrund wandelt. Warum steht es dort? Was ist unser Anteil daran, die wir gut gemeinte aber zu oft verfehlte weil den Verhältnissen nicht ausreichend angepasste Programme von good governance den Afghanen verordnet haben? Eine offene Debatte würde uns der eigenen Bilanz des Afghanistan-Einsatzes näher bringen (dessen politisches Ziel im Übrigen nach wie vor nicht eindeutig und endgültig benannt ist). Mit ihr würden wir auch einem faireren Umgang mit Flüchtlingen und Migranten näher kommen. Die Konflikt-Forschung, und ich bekomme das leidlich mit an den Universitäten, an denen ich unterrichten darf, unternimmt bei all dem nicht ausreichend Anstrengungen einer vergleichenden Ursachenforschung und wägt zu wenig in Frage kommende Lösungsansätze gegen bereits erprobte ab, um die daraus resultierenden Erkenntnis wiederum mit Think Tanks und Politik zu vernetzen.