Freitag, 11. September 2015

New Website


Starting with today (not intentionally 9'11) you may find this blog also by accessing my new site at www.martingerner.de The page is a presentation of my photographic portfolio and film work with a focus on the Afghan conflict but including also other countries of conflict, such as Kashmir for instance. There will be added materials from my journalistic work as the pages progresses.

Donnerstag, 10. September 2015

Afghanistan's refugees and Europe


The ongoing flow of refugees coming from Syria, Iraq and the Balkans to central, western and northern Europe also sees a growing number of young Afghan refugees, often male, sometimes below the age of 18, in search of an uncertain future but away from their home country where deteriorating security, a massive economic depression and joblesness have led many to opt for an odyssee that challenges the European countries as a Union. While governments in Berlin, Paris, Budapest and Vienna struggle for a compromise on how to distribute the flow of refugees fairly among the EU member states, Germany and the Western donor countries have a co-responsability in the development of Afghanistan in the past one and a half decade and thus probably also for a options to stabilize the country in what are its mulitple challenges. This analysis can be found in Die Tageszeitung today (no online version published, sorry): _______________________________________________ Die Flucht von Afghanen nach Deutschland und Europa hat in den letzten Monaten spürbar zugenommen. Gleichzeitig gehen nach wie vor milliardenschwere Hilfen des Westens in das Land. Die Abwanderung junger Afghanen hat dies allerdings nicht gestoppt. Im Gegenteil: der Abzug der NATO hat als Fanal gewirkt. So droht das Land zum dritten in kurzer Zeit eine Generation zu verlieren. Deutschland und der Westen haben dabei eine besondere Verantwortung für Afghanistan, auch weil das Land wesentlich über ihre Kredite funktioniert. Beide haben aber auch Entscheidungen versäumt, ohne die es jetzt womöglich weniger Flüchtlinge gäbe. Der Luftschlag von Kundus mit dem bombardierten Tanklaster und den zivilen Opfern ist jetzt sechs Jahre her. Kundus, wo lange die Bundeswehr stationiert war. Keine Ereignis hat aus deutscher Sicht für mehr Schlagzeilen gesorgt. In den vergangenen Monaten hat es Fluchtbewegungen aus Kundus gegeben. Viele Binnenflüchtlinge zunächst. Kämpfende Taliban haben afghanische Sicherheitskräfte immer wieder in verlustreiche Kämpfe verwickelt. Die Front wog hin und her. Nach wie vor gibt es nicht ausreichend Polizisten und Armee in der Provinz. Von den Milizen in Kundus ist zu hören, sie seien quer durch das Regierungslager von Präsident Ghani und seinem Partner Abdullah verfeindet. Rettung aus der Luft durch US-Flugzeuge gibt es jetzt nur noch selten für das afghanische Militär. Durch die Kämpfe sind viele Äcker und Gärten faktisch zu Kampfzonen geworden. Bauern können ihr Land nicht mehr bewirtschaften und sind gezwungen anderswo mit ihren Familien Schutz zu suchen. Neben der Binnen-Flucht gibt es aus Afghanistan dieser Tage aber auch zahlreiche Flüchtlinge nach Deutschland. Deutsche zivile Helfer bekommen dieses Leid mit. Einige von ihnen erhalten in wachsender Zahl emails von afghanischen Bekannten und Familienoberhäuptern, die auf der Flucht sind mit Frau und Kind. Sie bitten darin um Hilfe für ihre Odyssee nach Europa. Dass Flüchtlinge bei uns nicht immer gut gelitten sind, wissen die Wenigsten. Aufgrund der Zahlen, die in der Bundesrepublik zuletzt Aufnahme finden, gewinnen die meisten eher das Gefühl, dies sei das richtige Zielland. Eine email ist von Hassan, einem Filmemacher. Er schreibt, dass er vor den Taliban auf der Flucht sei. 2012 wurden seine Arbeiten auf der Documenta13 in Kassel gezeigt. Jetzt hat er eine Reportage über einen Mullah gedreht, der die Aussöhnung mit den Taliban suchte und dabei ums Leben kam. In Kabul hatte Hassan ein kleines Café, ein Künstlertreff, in dem sich junge Männer und Frauen trafen. Von dort flüchtete er, nachdem die Polizei eine Razzia durchführte. Offenbar handelte die Polizei im Auftrag konservativer Geistlicher. Wie den Taliban ist den Geistlichen westliche Lebenskultur in der sich junge Frauen und Männer offen begegnen ein Dorn im Auge. Jede dieser emails ist für sich genommen bedrückend, spiegelt sie doch den relativen Misserfolg westlicher Hilfe für Sicherheit und Entwicklung. Die afghanische Zivilgesellschaft, deren Aufbau der Westen sich auf die Fahnen geschrieben hatte, scheint auf einmal in Auflösung begriffen. wirtschaftliche Depression hat sich breitgemacht nach dem Abzug der ausländischen Truppen. Viele Gegenden sind unsicherer geworden. So bleiben Investitionen aus. Arbeitslosigkeit ist chronisch und ein möglicher Treibsatz für Radikalisierung. Was politisch, was wirtschaftlich motivierte Flucht ist, müsste die Einzelfallprüfung ergeben. Diese ist aber unter den Bedingungen Afghanistans nur schwer möglich. Verständlich ist, dass - nach vielen afghanischen Übersetzern der Bundeswehr - nun auch afghanische Angestellte ziviler Hilfsorganisationen nach Deutschland wollen. Sie sind oft nicht weniger exponiert. Mittlerweile hat das Schlepperwesen auch afghanischen Städte erreicht. Das schildern deutsche Helfer im Land, die gut vernetzt sind. Eltern versuchen zum Teil vergeblich, ihre Kinder vom Auswandern abzuhalten. Diese können auf Facebook Informationen mit Listen zu Sozialstandards in EU-Ländern finden. Auch Foto-Postings gibt es, von Landsleuten, die es bereits geschafft haben. Politiker fordern zu Recht mehr Druck auf jene Länder, aus denen die Flüchtlinge kommen. Für Afghanistan tragen Deutschland und der Westen dabei eine besondere Mitverantwortung. Denn der Westen finanziert weiterhin den Löwenanteil des afghanischen Staates. Ohne Frage bestehen hier Möglichkeiten, angemessen einzuwirken auf die Regierung in Kabul. Zugleich ist der wirtschaftliche Aufbau alles andere als optimal gelaufen. Bei effektiverer wirtschaftlicher Hilfe wäre ein Teil der Menschen vermutlich heute nicht auf der Flucht. Sinnvoll wäre rückblickend ein echter Marshall-Plan für Afghanistans Wirtschaft gewesen. Mit Wohnungsbauprogrammen, die Menschen langfristig in Arbeit bringen. Robusten Hilfen für afghanische Industrie und Landwirtschaft. Projekten, die das Land weniger als Absatzmarkt für deutsche und ausländische Waren begreifen. Solar-Energie etwa hat eine Zukunft in Afghanistan. Noch aber werden zu wenig Zellen vor Ort hergestellt. Bis 2006 hätte man so Fundamente setzen können. Da waren die Taliban noch nicht erstarkt. Jüngere Flüchtende schreiben in ihren mails immer wieder: „Wir bekommen in Afghanistan keine Chance“. Arbeit werde nicht nach Qualifikation vergeben, sondern nach Seilschaften und Vitamin-B. Viele haben resigniert, weil Korruption oder gewendete Warlords im Land herrschen. Auch dies ist ein Grund für die schlechte Stimmung im Land. Dabei sind es die Geberländer die viele der warlords bis heute an der Macht halten. Was also tun? Afghanistan braucht unverändert langfristige Projekte, die auf die realen Bedürfnisse der Menschen eingehen. Projekte, die Hoffnung vermitteln. Das kann ein Theaterfestival in Kabul sein, das den Glauben an die afghanische Zivilgesellschaft erhält. In jedem Fall wirtschaftliche Anreize, die die Arbeitslosigkeit zurückfahren und die Ökonomie der kurzfristigen Entwicklungshilfe durch nachhaltiges Wirtschaften ersetzt.

Freitag, 31. Juli 2015

Mullah Omar confirmed dead: quo vadis Taliban?


After the death of Mullah Omar has been confirmed, many observers ask what follows out of it for the Taliban as a political-military movement. 'Will the Taliban survive the official announcement of his death?', the RFE/RL Afghan Service asks for instance, echoing that fundamental changes in the insurgency are ahead. Find a piece I wrote for German Service Deutschlandfunk (not to be mixed up with the Deutsche Welle) here: _________________________________________________ Nachdem bekannt wurde, dass Taliban-Anführer Mullah Omar bereits seit zwei Jahren tot ist – eine Nachricht, die erst der afghanische Geheimdienst publik machte, dann die pakistanische Regierung und zu guter letzt die Taliban selbst – ist binnen weniger Tage der Friedensprozess mit der afghanischen Regierung zum erliegen gekommen. Das Ende von offiziellen Gesprächen mit Taliban-Vertretern geht einher mit einer neuen Serie ungewohnt heftiger Anschläge in Afghanistan auf staatliche Einrichtungen mit einer extrem hohen Zahl ziviler Opfer. Präsident Ashraf Ghani hat deshalb den Friedensprozess vorrübergehend beendet und verlangt, dass endlich „Pakistan die gleiche Definition von Terrorismus an den Tag legt, wie Afghanistan“. Während Ghani noch vor Wochenfrist gehofft und erklärt hatte, die Klarheit über den Tod von Mullah Omar eröffne neue Perspektiven für den Frieden, scheint in Wahrheit das Gegenteil eingetroffen. Der Terror hat eine neue Chance bekommen. Dahinter dürften sich zahlreiche Machtkämpfe innerhalb der Taliban verbergen. Ein klares Bild zu entwerfen über die Stärke der rivalisierenden Fraktionen vermag im Moment kein Beobachter. Fest steht, dass der zu Omars Nachfolger ernannte Mullah Akhtar Mansur innerhalb der Bewegung auf Widerstände stößt, darunter von Mullah Omars Sohn Yaqoub, der ebenfalls die Nachfolge beanspruchen soll. Mansur hatte bis zuletzt versucht, den Einfluss Pakistan auf die der Taliban zu mindern. So verlegte er die Verhandlungsführung der Friedensgespräche von Pakistan nach Qatar und zog sich damit den Zorn Islamabads zu. Pakistan wiederum setzte daraufhin Taliban-Vertreter mit an den Tisch, die Mansur nicht gebilligt hatte. Auch die späte Bestätigung von Mullah Omars Tod, die Mansurs Absichten zuwiderlief, könnte vom pakistanischen Geheimdienst ISI orchestriert sein, wird nun vielfach vermutet. Mansur hat zwar den Führungsrat der Taliban für die Wahl seiner Nachfolge einberufen. Ob und inwieweit ihm dies aber Gefolgschaft garantiert oder vielmehr die beginnende Zersplitterung der Bewegung vertieft, werden die nächsten Wochen und Monate zeigen. In Kabul wird vermutet, dass Pakistan versucht, seinen Einfluss auf die Pakistan wieder zurückzugewinnen. Viel spricht dafür, dass diese Kräfteverschiebungen sich in den nächsten Wochen in vermehrtem Terror entladen könnten, zumal die zwei Stellvertreter Mansurs an der Spitze der Taliban nun Anführer des Haqqani-Netzwerkes sind, das von der US-Regierung – anders als die Taliban selbst zuletzt – als Terrorgruppierung gelistet wurde. Das Verbindungsbüro der Taliban in Qatar ist als politischer Akteuer erst einmal geschwächt und sein Vorsitzender als Folge des Führungsstreits zurückgetreten. In Afghanistan selbst hat der Friedenskurs, der sich noch bis zum 30. Juli so positiv anhörte, erstmal sein Unterstützer verloren. Die Rechnung zahl wie so oft die Zivilbevölkerung. _________________________________________________ The lines above are an update on my anaylisis with German Broadcaster Deutschlandfuk here _________________________________________________ „Werden die Taliban die Nachricht vom Tod Mullah Omars überleben?“, fragt der Afghanistan-Dienst von Radio Free Europe, einer der meistgehörten Informationsquellen für viele Afghanen, in seiner jüngsten Ausgabe. Die Frage mag zugespitzt erscheinen. Gleichwohl ist nicht zu leugnen, dass die offizielle Bestätigung des Todes einer der ominösesten weil von Mythen umrankten Personen der Zeitgeschichte, eine Zäsur für die Taliban-Bewegung und damit auch für Krieg und Frieden am Hindukusch bedeutet. Obwohl im Zuge der um zwei Jahre verspäteten Todesnachricht jetzt zahlreiche Szenarios möglich erscheinen, steht immerhin fest, dass auch die Friedensgespräche mit der afghanischen Regierung einmal mehr einen merklichen Dämpfer erhalten haben. Anders ist die Aussetzung der nächsten Verhandlungsrunde nicht zu erklären. Als US-Spezialkräfte Osama Bin Laden im Mai vor vier Jahren zur Strecke brachten führten die Spuren nach Pakistan. Auch jetzt zieht Islamabad – das die Taliban groß gemacht hat – im Hintergrund die Fäden: Die zweite Runde der eben erst gestarteten Friedensgespräche ist geplatzt. Das haben nicht etwa die Taliban bekanntgegeben, auch nicht die Regierung in Kabul, sondern das Außenministerium in Islamabad. Die Unterbrechung sei, so das Statement, der Wunsch der Taliban-Führung und die Folge der Nachrichten zum Tod ihres Anführers Mullah Omar. Man darf wohl davon ausgehen, dass der pakistanische Geheimdienst ISI – ähnlich wie im Fall Bin Laden – wusste, wo sich Mullah Omar aufhielt seit er sich Ende 2001 der Verfolgung durch das US-Militär entzog. Mutmaßungen, die Nachricht von seinem Ableben sei nun gezielt lanciert worden, um die Gesprächsgrundlage für die anstehenden Verhandlungen zwischen Taliban und afghanischer Regierung noch einmal zu verhindern, kommen nicht von ungefähr. Immer wieder wurden Friedensgespräche in den vergangenen Jahren durch Indiskretionen u.a. aus dem Umkreis pakistanischer Dienste torpediert bzw. beeinflusst. Nach Informationen des afghanischen Geheimdienstes starb Omar bereits vor zwei Jahren in einer Klinik im pakistanischen Karachi. Spät haben die Taliban die Meldung schließlich bestätigt unter dem Druck der Ereignisse. Diese drohen die Bewegung jetzt ihrer seit 2001 größten Zerreißprobe auszusetzen. Obwohl nicht mit einer so hohen Kopfgeld-Prämie versehen, könnte der Tod von Mullah Omar größere politische Auswirkungen haben als der von Osama Bin Laden. Denn eine Reihe von Absetzbewegungen abtrünniger Splittergruppen zuletzt, aber auch Machtkämpfe in der Taliban-Spitze selbst, könnten den Zerfallsprozess der Taliban als politisch-militärische Bewegung, im schlimmsten Fall, beschleunigen. Das wäre dann ein denkbar schlechtes Szenario für Kabul und den Westen. Denn die afghanische Regierung ist für Frieden und Verhandlungen auf eine vergleichsweise einige Taliban-Front angewiesen. Mit dem heutigen Tag aber ist womöglich für eine ganze Weile fraglich, wer die Führung der Taliban stellt und ob diese es schaffen, ihre innere Krise zu überwinden. Zu Omars Nachfolger ist in einem Verfahren, über das bislang keine Einzelheiten bekannt sind, der bisherige Taliban-Vizechef Mansur ernannt worden. Ziemlich sicher ist damit zu rechnen, dass es hierzu aus der Bewegung Widerspruch und Widerstand geben wird. Mullah Omars Sohn Yacub, der Mitte zwanzig ist, wird ebenfalls als einer der Prätendenten genannt in Agenturberichten. Eine Zerfaserung der Taliban als Bewegung könnte wiederum das Geschäft des sogenannten Islamischen Staates machen – mutmaßen nicht nur Experten und Medien. Auch Präsident Ghani hat sich wiederholt in dem Sinn geäußert. Neben usbekischen und pakistanischen Terroristen sind es hier wiederum rivalisierende Taliban, die eine Rechnung mit der aktuellen Führung offen haben, die die Fronten wechseln. IS-Strukturen wie im Irak oder Syrien sind in Afghanistan allerdings bislang nicht in Sicht. Ein Erstarken des IS am Hindukusch könnte gleichwohl eine Art neuen Zwei-Fronten-Auseinandersetzung in Afghanistan bedeuten. Wobei die Taliban alter couleur den IS ausdrücklich als Gegner ansehen. Ihre Agenda beschränkt sich auf Afghanistan. Eine Allianz scheint hier nach allen Regeln der politischen Logik ausgeschlossen. Über Mullah Omar selbst ist für einen Führer seines politischen Ausmaßes über Jahre vergleichsweise wenig bekannt. Vor allem wird er als Steigbügelhalter der fatalen Partnerschaft mit Al Qaida in Afghanistan in die Geschichte eingehen. Weil er – durchaus gegen Widerspruch aus den eigenen Reihen, soweit man weiß – auch nach dem Angriff auf das World Trade Center darauf Bestand, Bin Laden in Kandahar ein Refugium für ihn, Teile seiner Familie und für seine Bewegung zu gewähren, fand die US-Intervention in Afghanistan statt. Kein Video oder Audio des etwa 55-Jährigen seit 2001. In der Kommunikationswelt des modernen Jihad musste auch dies propagandistisch früher oder später danebengehen. Über den Umgang mit Omars Vita wurden innerhalb der Bewegung zuletzt heftig gestritten. Dass sein mutmaßlicher Segen für die jüngsten Friedensgespräche Fassade war, wissen wir jetzt. Es kommt jene teuer zu stehen, die verhandeln wollten. Die weiter im Kampf gegen US- und NATO stehen, dürften sich dagegen gestärkt fühlen.

Samstag, 30. Mai 2015

Untitled: Afghan Contemporary Art


The Italian industrial and textile consortium Benetton with its research, media and communication centre 'Fabrica' has recently published a book of paintings and drawings exclusively dedicated to Afghan art, a collection of more than 100 works including calligraphs, miniatures and mixed-media art. Amanullah Mojadidi, an Afghan, US-born, artist who has played a major role over the past decade in Kabul mostly as an impulse giver and networker for many a young artist, is the curator of the project. We have exchanged different times about what alienates Afghan artists from the voluntary Western approach to the country. The book 'Untitled – Contemporary Art from Afghanistan' is a way to escape the existing dilemma. ________________________________________________ Q: You've seen lots of art projects start in Afghanistan. What is different with this book and its intellectual approach? A: I have never considered myself a curator. I am an artist. So when I was first contacted about curating the Imago Mundi Project for Afghanistan, I was skeptical, even if I was already well aware of Luigi Benetton’s contribution to art and culture around the world. I also had questions: Why would Benetton want to do the project in Afghanistan? Was it another form of commodification rooted in a European’s romantic perception of the exotic Other? Was it simply a different manifestation of Conflict Chic? Once I had a chance to research the Imago Mundi project, and its various incarnations around the world including in India, Japan, South Korea, Mongolia, Russia, Eastern Europe, South America, Australia and beyond, I began to see the potential of this project as an exchange with, and between, artists in Afghanistan. // Q:What do you mean by conflict chic? A: Whether in the visual arts such as painting, film, and photography or performing arts such as music and theater, Afghanistan’s artistic and cultural activities, particularly in Kabul, have, in the last several years become embroiled in the geopolitics of, foreign nations. This was the manifestation of an eagerness on their part to show that more than a decade of economic and military interventions have led to the creation of a contemporary culture that not only justifies their initial invasion, but would also explain their partial or complete withdrawal from the country. As such, Afghanistan has become what I call “Conflict Chic,” and the romanticized, exaggerated glamorization of contemporary culture in the country has, like cultural carnival mirrors, created a distorted reflection of reality. It becomes difficult therefore to engage with a project in the field of contemporary art in Afghanistan without feeling that you are a part of the cultural commodification of “Afghan art” that supports what American and European nations would like to say about the country. // Q: The book consits of more than 100 small paintings, each 10x12 centimeters. How did you gather them in a country in conflict? A: With 142 artists to engage and keep track of, there are inevitably problems of access to artists who live in insecure areas of the country and problems of assurance that those artists will actually be in the country when it is time to collect their works. A massive exodus of Afghans like the country has not seen since the days of Soviet occupation, Civil War, and Taliban law has some artists fleeing the country before creating their artwork. The exodus is a response to the fortune-telling predictions of what will happen to the country after 2014, when foreign armies are to withdraw and foreign money is to be significantly reduced. // Q: What was the attitude of the artists when you approached them for the project? A: The first questions asked would often be, “Who is the donor?” “What is the theme?” followed by “What is the budget?” Creation for creation’s sake is still difficult in a country where the trials and tribulations of daily life can occupy all of your time and energy. What is the value of artistic production without some sort of economic support and/or benefit when you’re living in a conflict zone where security is not guaranteed, inflation is high, and employment increasingly scarce? So even after having spent hours with artists discussing the possibilities of the project, they did not seem to be flocking at the chance to create something for it. I had to tell them: there would be no seminars, no workshops, no trainings, and no “capacity building” that are often seen by foreign-initiated projects as necessary precursors to artistic production in the country. There would also be no thematic guidance given to the artists, allowing them to create an artwork that was simply what they wanted to express, rather than dictating the creation of work about subjects such as Human/Women’s Rights, Peace, Anti-Drugs, or whatever message the foreign backers wanted to convey through the work. The Imago Mundi project in many ways lacked the preconceived attitudes towards artists in Afghanistan, as well as the expectations of what an Afghan artist should produce work about. What this has meant is a sort of creative tunnel vision that made the Imago Mundi project a challenging experience for the artists. // Q: How to the drawings and paintings look? Anything that surprised you? A: Although we do find some standard, and even expected, symbols connected to Afghanistan (i.e. the burqa, the rider game of buzkashi, the poets and saints, the Bamiyan Buddha grottos, the landscapes, the market scenes), but what I also see are new symbols emerging in this collection, such as that of the imagery of hands. Perhaps the hands are about the West lending assistance or reflect the Western notion of “saving” Afghans from themselves. Or perhaps they are about Afghans coming together to rebuild their society, as hands have often historically been symbols of solidarity. Whatever the individual or collective meanings, what can be said is that I am seeing the emergence of a contemporary style in the work of Afghan artists more and more, that it is at once unique and globally relevant. // Q:Why is the whole collection of 142 pictures called 'Untitled'? A: This uncertainty is reflected everywhere and in the majority of works created by the artists. Like the country’s future – Undefined, Unknown, Uncertain, Untitled – the only name many of the artists feel comes close to describing their work is no name at all. As a metaphor not only of a country and the contemporary culture growing within it, but also of the personal practice of so many artists participating in the Imago Mundi project in Afghanistan, I have taken this “no name” as what identifies and distinguishes the collection, Untitled: Contemporary Art from Afghanistan. Far from being definitive, Untitled is an attempt to provide a landscape of the still nascent production of contemporary art in the country. The collection of 142 works includes painters, calligraphers, miniaturists, writers, filmmakers, musicians, poets, and mixed-media artists of all levels – from the self-taught to the high school and university students to the artistically educated to the professors to the never-before exhibited and the internationally renowned. (picture: Fatima Haidari, Untitled)

Sonntag, 24. Mai 2015

Finding Afghanistan - photo exhibition


A selection of my photographic work is on exhibition since this week and until July 3rd in the foyer of Deutschlandfunk in Cologne (see here). The selection is accompanied by a choice of audio features and interviews that I have recorded and produced along the years of the Afghan conflict. And while international photojournalim about Afghanistan mostly focuses on Western soldiers and narratives stemming from the intervention of international forces persent in the war, this exhibition looks at the dynamic of urban Afghanistan and its young generations, its dynamics and challenges, dreams and dramas amidst Taliban and warlord threats. (see also here)

Donnerstag, 14. Mai 2015

Afghan theater donation: identity and threat


Recently Siddiq Barmak, without any doubt the most profiled Afghan film maker whose feature film 'Osama' has been internationally acclaimed a few years back and who keeps being one of the most prominent Afghan intellectual figures, moved out of Afghanistan and to Europe. This signals an important loss for the cultural scene in Kabul, many film makers taking inspiration from Barmak's experience and work. On another scale, it also sees the struggle for cultural Afghan identity at a crucial moment as the conflict moves on, despite or rather as a consequence of the withdrawl of foreign troops. Currently teaching as a lecturer for conflict and conflict resolution at the University of Hamburg, I introduced a chapter on Afghan theater in conflict in my seminar. After the suicide attack in Kabul Esteqlal Lycée last december on a running play, the Afghan theater scene especially is confronted with new challgenes. As a result an initative was born and a DONATION CALL launched for the support of the Afghan Student Theater Festival a few weeks ago. (see here). The texts published below – English and German – are a common wording undertaken with the Faculty of Fine Arts of Kabul University, who is to be the host of the event later this year. "A common initiative by Martin Gerner, correspondent, curator and lecturer together with the Faculty of Fine Arts, Kabul University. - HELP KABUL'S STUDENT'S THEATER FESTIVAL: WHAT IS AT STAKE? "WE - theatre actors, directors and teachers in Afghanistan - have roots that go back to the 1980s and that have regrown after 2001 as a result of the international intervention. But in December 2014, as the international community withdrew, many achievements were lost when a heavy bomb exploded during a Theatrical Performance in Esteqlal High School. This terrorist act caused death and fear, with many theatrical groups and acitivities forced to slow down or close. - REBUILD THEATER IN AFGHANISTAN YOUR DONATION can help rebuild theatre in Afghanistan and regain the artistic values of a young generation. Though still under shock, the Theatre Department of Kabul University shortly after the terror act in late 2014 started an annual festival. This festival gives birth to young theatre artists and brings students to create their own ensembles. The first festival was held in Kabul University shortly afterwards. It brings together student groups who work on joint performances and bring back artistic values that were threatened to disappear due to the attack. In founding the Student's festival, we want to withstand the negative energy and impact brought in by the extremists. - DONATE to assure the FUTURE OF AFGHAN THEATER LIFE WE, the Theatre Department of Kabul University, believe that the Festival for Students has the power to rebuild theatre in Afghanistan. Our young generation has the energy, potential and knowledge to recreate what is at risk of being lost. To regrow theatre through student festivals, we need financial support. Your pledge helps theatre in Afghanistan regrow and take new roots. Your contribution will help our young artists create a path for creativity and help rebuild theatre in Afghanistan. Their enthusiasm and excitement, featuring in the pictures below, must live on! " // GERMAN VERSION: WAS STEHT AUF DEM SPIEL? "WIR – Studenten und Studentinnen, Dramaturgen und Dozenten der Fakultät der Künste an der Universität Kabul – befinden uns an einem Wendepunkt. Ein Terror-Anschlag im Dezember 2014 auf der Bühne des Esteqlal-Lycées, mitten in Kabul, hat bei laufender Aufführung zahlreiche junge Theatermachende getroffen. Es gab Tote und Verletze. Kunst- und Kulturschaffende haben Anst. Für viele Betroffene bedeutet der Anschlag das Ende ihrer Auftritte. Ensembles haben sich aufgelöst oder stehen vor dem Ende. WIEDERAUFBAU DES THEATERS IN AFGHANISTAN Wir wollen und können dem nicht tatenlos zusehen. Deshalb dieser Aufruf für das 2. Studenten Theater-Festival als eine Initital-Zündung beim Neuaufbau des afghanischen Theaters. Wir haben Wurzeln, die auf das Theater der 1980er Jahre zurückgehen. Nach 2001 als Folge der internationalen Intervention haben wir weitere Schritte gemacht hin zu neuen Freiräumen und Kreativität. Jetzt, da die internationale Gemeinschaft dabei ist, Hilfsgelder und Aufmerksamkeit zurückzufahren, geht es mehr denn je darum, Theaterkunst und ihre Ausbildungsstätten nachdrücklich zu sichern und Perspektiven für eine selbstbestimmte Theaterlandschaft zu schaffen. DEINE SPENDE ist dabei ein wichtiger Beitrag. Mit der Hilfe für das 2. Studenten-Theaterfestivals unterstützt Du die Arbeit und das Engagement einer jungen Generation lernbegieriger und spielwütiger Schauspiel-Studenten und Studentinnen, die an der Fakultät der Künste ausgebildet werden. Für das Festival im Herbst sind zur Zeit zehn Aufführungen mit neuen Ensembles geplant. Deine Spende kommt dem Entstehen dieser Aufführungen zugute. Konkret geht das Geld in Produktionkosten, Kostüme und Austattungen, die für die Inszenierung nötig sind. Details findest Du auf dieser website. MIT DIESER INITIATIVE wollen wir ein Zeichen setzen gegen jede Form von Extremismus und Gewalt. Ein Theaterfestival mit Publikum ist die beste Antwort darauf. Der Anschlag vom Dezember 2014 war für viele von uns wie eine zweite Stunde Null. Die Kultur ist einmal mehr bedroht. Wir stehen zugleich für einen Neuanfang. Gerade die junge Generation hat die Energie, das Talent und das Wissen dazu. Damit das Theaterfestival wachsen kann, brauchen wir finanzielle Unterstützung. Die Spenden helfen unserer Arbeit und Kreativität zu unterstützen. Die Bilder auf dieser Seite mögen einen Eindruck vermitteln, was du mit einer Spende erreichen kannst für unsere kulturelle Identität." // (photos: courtesy H.Noori)

Donnerstag, 26. März 2015

A new relationship?


The five day visit of Ashraf Ghani to the United States looks as ordinary as it may seem exceptional. Obviously feeling at home in a country where he spent nearly half of his life and with his family and in forced exile, Ghani made many a congressman optimistic in his speech to the two US chanbers. Ending corruption and eliminationg the culture of impunity were two of his master phrases, already stated earlier during his campaigning. There is a realist in Ghani and also a dreamer. Drawing the vision of a country that would come back to the time of the 'Land of beauty and hospitality', alluding to a famous film of the Afghan Tourism Organisation from the sixties in which a US-American couple boards an airplane which transports them to Bamian and all the other sights of the noble Afghan history, is not less than the translation of an inherited political trauma Ashraf Ghani comes from and looks to overcome. „We want to be ordinary people again“, was a sentence that echoes from his speech. This sentence, a few days after the events in Kabul around the murder of Farkhunda, very precisely show the absence of normality in a disillusioning way. They have struck many Kabulis (for an analysis trying to explain the unexplainable see here) and have in relatively short delay and with a considerable amount of internatinal media coverage on the case led to first fact finding results, that may seem like a new old burden on the shoulder of Ghani's government. On security, the official joint US-Afghan presidential statement does not make mention of the so called Islamic state as a threat for Afghanistan. Ghani very overtly in public calls the movement a „terrible threat“ for his country nontheless. In front of the congress stood a man „free of a complex of inferiority against western empires“, because - as Ghani smilingly said - „we defeated most of them“. Following his own presidential statistics, nearly one million (sic!) US soldier by now have been deployed to Afghanistan (if this is leaving out US contractors or not, he was not clear about) – but the figure in itself shows the investment in what has produced may efforts, as vain as successful. For the latter it is to be said that nothing is never achieved for good (Joseph Rovan). Only the new generations can bring about real change. In this sense, it may sound promising to young Afghans that the Obama administration envisions to raise by 50 % the number of Fullbright scholarships. // It resonates envious even to a person like myself, to say the truth: as a matter of fact I have been working many years now as to facilitating an Academic exchange between Afghanistan and Germany for students in the fields of media/journalism and film/art. Success is still on hold, as the German Academic Exchange Service DAAD – depending on the German foreign office for its investments – argues that only the so called 'hard subjects' of study, like engineering, management, computer sciences or geology are worth supporting for mutual exchanges. It seems not a coincidence if some of the young talented Afghans look for other destinations than Berlin, Munich or Hamburg to build their professional future. For a comment on the new security architecture Ghani has in mind and with regard to possible talks with the insurgency, here is an op-ed for German WDR: Gespräche mit den Taliban muss es geben. Und zwar so rasch wie möglich am Besten. Aber ohne faule Kompromisse. 10.000 US-Soldaten bleiben nun länger am Hindukusch als geplant. Womöglich auch mit Folgen für einen verlangsamten Abzug deutscher Teil-Kontingente. Keine Abrüstung also am Hindukusch und obwohl die NATO-Führung unlängst die Schlagkraft der neuen afghanischen Streitkräfte noch einmal gepriesen hat. (Das gehört in die Politik der positiven Schlagzeilen, eine Konstante der letzten Jahre.) Visier runter also – in der militärischen Sprache. Zugleich aber das Visier hoch – der Auftakt zu Gesprächen mit den Taliban ist näher denn je, verlautet aus vielerlei Quellen der letzten Tagen. Weder Kabul noch Washington wollen die Taliban jetzt offenbar zu einem Waffen-stillstand zwingen – was wiederholt versucht wurde in der Vergangenheit – bevor man sich mit ihnen an einen Tisch setzt. Tatsächlich scheint Ashraf Ghani, der neue starke Mann in Kabul, Zuversicht zu verbreiten. Nicht nur in den USA, auch in Islamabad, Riad und in Peking. Dort hat er seine Antrittsbesuche schon gemacht, für eine Art neuer Sicherheitsarchitektur. Peking ist dabei jetzt ein neuer Makler für Kabul. Vor allem einer, der Druck auf Pakistan ausüben kann und Islamabad klar zu verstehen gibt: das künftige Afghanistan nur ohne Taliban an den Waffen. Dafür liefert Kabul mutmaßliche uigurische Terroristen an Peking aus. Verlangsamt wird der Abzug von US-Truppen womöglich auch, weil Schlagzeilen über den sogenannten Islamischen Staat auch in Afghanistan die Runde machen. Organisierte Strukturen wie im Irak und Syrien sind dies nicht, sagen Experten, aber es besteht ein Risiko. Da sind einsickernde Extremisten aus zentral-asiatischen Nachbar-Republiken. Und abtrünnige Taliban-Kämpfer, die im Streit geschieden sind, und für deren Revanche-Gelüste die Schreckens-Marke IS offenbar gerade Recht kommt. Eine Zweifronten-Krieg ist aber das Letzte was Kabul gebrauchen kann, zumal Aufschwung und Investitionen greifen sollen. Sogar die Taliban dürften auf der Hut sein. Im Fall von Verhandlungen könnte die Bewegung weier zerfasern und mehr Unzufriedene zu Gruppen wie dem IS abwandern. Steinig wird der Weg zum afghanischen Frieden in jedem Fall. Wie darf man sich den Wandel der Taliban von einer Truppe in eine politische Bewegung vorstellen? Darauf gibt es keine klare Antwort: wo die Fundamentalisten die afghanische Verfassung verwässern wollen in Fragen der Menschen- und Frauenrechte, internationaler Standards und demokratischer Spielregeln, dürfen Kabul und seine Verbündeten nicht nachgeben. Was aber bietet man den Taliban dann an? Mit der Reintegration Tausender ihrer Kämpfer allein werden sie sich vermutlich nicht zufrieden geben. Einen Preis würde Ashraf Ghani wohl oder übel zahlen müssen. Es ist zu hoffen, dass darunter nicht die afghanischen Frauen leiden müssen. Gerade hat eine wütende Menge in Kabul eine unschuldige junge Frau gesteinigt und verbrannt. Die Polizei schaute zu. Es klingt wie Vorboten einer Re-Talibanisierung.